Kategorie: Knowhow

Schlafsäcke - was man wissen sollte

Jens, 08.06.2010

Das wichtigste an einem Schlafsack ist, dass er uns bei vorherrschenden Witterungsbedingungen einen ruhigen und angenehmen Schlaf ermöglicht. Im Allgemeinen unterteilt man Schlafsäcke, unabhängig von ihrer Füllung (Daune / Kunstfasern), in Sommer-, Winter-  und Dreijahreszeiten-Schlafsäcke. Ein Schlafsack, der warm genug ist, eine unbeschwerte Februarnacht im Pfälzer Wald zu ermöglichen, ist im südfranzösischen Sommer unbrauchbar und anders herum. Der Dreijahreszeiten-Schlafsack findet überwiegend im Frühjahr oder Herbst seine optimale Anwendung und leistet im Sommer mit offenem Reißverschluss als Decke gute Dienste.

Aber welcher ist denn nun der Richtige? Wer mit seinem Rucksack oder dem Radl  unterwegs ist, bekommt nicht nur viel frische Luft und Bewegung, sondern auch den Drang, das Ausrüstungsgewicht so gering wie möglich zu halten. Maximale Isolierung bei minimalem Packmaß und Gewicht erfordert sehr spezielle Materialien.

Ganz anders als der Ultralight-Freak sehen das jene Urlaubsuchende, die eine körperlich weniger anstrengende An- und Abreise bevorzugen, um ihren verdienten Urlaub auf einem schönen Campingplatz entspannt abzurunden. Welche Rolle spielen Packmaß und Gewicht, wenn man etwas nicht ständig mit sich herumschleppen muss? Und dann wären da noch die Leichtwanderer, Weltenbummler, Polarforscher und viele mehr, jeder mit seinem individuellen Anspruch. Daraus folgt, dass sich jeder zunächst überlegen sollte, unter welchen Umständen sein Schlafsack zum Einsatz kommen wird und welche Füllung dafür geeigneter wäre.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen Daunen- und Kunstfaserfüllung sind diese:
Daunen
ermöglichen einen größeren, temperaturunabhängien Komfortbereich; sind langlebiger als jede Kunstfaser; sind bei gleichem Isoliervermögen leichter, haben das geringere Packmaß.
Kunstfasern isolieren auch noch im feuchten Zustand; sind günstiger.

Daunenschlafsäcke:
Daunen sind ganz feine Federbüschel, welche vorwiegend im Brust und Bauchbereich von Vögeln wachsen. Sie bestehen aus vielen strahlenförmigen Verästelungen, die von einem Kern aus in alle Richtungen verlaufen und mit einem weichen Flaum überzogen sind. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal für gute Daunen sind Größe und Bauschfähigkeit, die unmittelbar vom Alter des Tieres und seinem Lebensraum abhängen. Tiere aus kalten Regionen besitzen eine wesentlich größere und kräftigere Daune als Tiere warmer Klimazonen.

In der Regel werden für Schlafsackfüllungen Gänse- oder Entendaunen verwendet, wobei eine qualitativ hochwertige Gänsedaune im Verhältnis zu einer ebenfalls hochwertigen Entendaune größere und robustere Daunenbüschel besitzt. Diese Eigenschaften haben großen Einfluss auf das Isoliervermögen und die Langlebigkeit eines Produkts. Ein weiterer Vorteil der Daunen sind ihre hervorragenden feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften, da sie Feuchtigkeit speichern und somit den Schlafenden trocken halten. Allerdings kann sich die Speicherfähigkeit der Daune auch nachteilig auswirken, denn feuchte Daunen verlieren erheblich an Isolationsvermögen.

Und was isoliert da so gut? In den feinen Verästelungen der Daune wird Luft zu einem Polster eingefangen, und dieses Luftpolster isoliert. Die Wärmeleistung einer Daune hängt in starkem Maße von der Füllkraft (fill power) ab, welche sich aus ihrem Volumen - Gewichtsverhältnis ableiten läßt. Als Maßeinheit verwendet man cuin (cubic inch = Kubik Zoll) pro Unze (28,35g). Zur Ermittlung der Füllkraft (Bauschkraft) füllt man eine Unze Daune in einen Standard-Messzylinder und misst, auf welches Volumen sich die komprimierte Unze Daunen ausdehnt. Da es keinen weltweit standardisierten Messzylinder gibt, können die Angaben zur Daunenqualität verschiedener internationaler Hersteller variieren. Nach Europäischem Standard kann eine Unze Daunen nicht mehr als 750 cuin Volumen einnehmen. Beim Amerikanischen Standard lassen sich jedoch Spitzenwerte von 900 cuin ermitteln. In beiden Fällen handelt es sich um absolute Spitzendaunen, welche rar und kostenintensiv sind. Das wirkt sich zwangsläufig auf die Produkte aus.

Die in einem Schlafsack verwendeten Daunenfüllungen sind immer eine Mischung aus Daunen und Federn, wobei eine Daunenfüllung mit etwas über 90 % Daunenanteil auch als 100 % -ige Daunenfüllung bezeichnet werden kann. Häufig werden Daunen mit Federn im Verhältnis 90/10 gemischt. Aber auch 80/20 oder 70/30 finden ihre Anwendung, je nach Produktorientierung. Würde man die Füllung einfach in den Schlafsack schütten, so würde sie verrutschen und nicht mehr isolieren. Daher füllt man sie in Kammern, deren Größe genau auf das Bauschvolumen der Daune abgestimmt ist.

Die einfachste Art der Kammerung erreicht man beim Durchsteppen von Außen- und Innenmaterial. Aufgrund der dadurch entstehenden Kältebrücken in der Isolierschicht wird sie nur bei leichten Sommerschlafsäcken verwendet. Häufiger kommen H- und Schrägkammern zum Einsatz. Bei H-Kammern bilden senkrecht zum Innen- und Außenmaterial verlaufende Stege aus feinmaschigen Materialien die Kammerbegrenzung, wobei diese sowohl radial als auch in Längsrichtung verlaufen können.  

Bei Schräg-Kammern werden die Kammern durch schräg verlaufende Wände abgeteilt. Diese Konstruktionsart ist recht aufwendig, verhindert Kältebrücken, und ermöglicht sehr gute Wärmeleistungswerte. Darüber hinaus gibt es noch Trapezkammern. Sie sind die aufwendigste Form der Kammerkonstruktion, da ihre v-förmig geschnittenen Kammern immer um 180° gedreht zusammengenäht werden. Das macht sie zwar teuerer, aber gleichzeitig ermöglichen sie beste Isolationswerte.

Kunstfaserschlafsäcke:
Kunstfaser-Schlafsäcke können, bezogen auf ihr Gewicht, Packvolumen und Schlafklima, nicht direkt mit Daunenschlafsäcken konkurrieren. Sie haben andere Qualitäten, denn sie nehmen wenig Feuchtigkeit auf, trocknen schneller und verlieren auch in nassem Zustand kaum Loft. Daher sind sie für Unternehmungen in Gebieten mit permanent hoher Luftfeuchtigkeit besser geeignet als Daunenschlafsäcke.   

Kunstfaserfüllungen bestehen aus Polyesterfasern und werden entweder als kurz geschnittene Stapelfasern oder als Endlosfasern verarbeitet. Da Polyester eine raue Oberfläche aufweist, können sich die einzelnen Fäden stark ineinander verhaken und jeglichen Loft unterbinden. Um dies zu vermeiden werden die meisten Fasern mit einer glatten Silikonschicht ummantelt. Je aufwendiger das Verfahren und der Aushärtungsgrad des Silikons ausfallen, desto länger bleibt die Bauschfähigkeit der Faser erhalten. Bei Billigprodukten verschwindet die Beschichtung schon nach wenigen Waschgängen. Soll ein Kunstfaser-Schlafsack etwas länger halten, kommen nur Markenprodukte in Frage.

Welche Art von Kunstfasern gibt es und wie unterscheiden sich diese? Die einfachste Einkanal- Hohlfaser (Hollofil) findet bei hochwertigen Schlafsäcken keine Anwendung mehr. Ihre Außenwände sind im Verhältnis zum Innendurchmesser zu dick und bieten dadurch wenig Isolierraum. Mit der Entwicklung von Polarguard 3d konnten der Innendurchmesser vergrößert und die Langlebigkeit erhöht werden. Die Struktur der Faser ist gekräuselt, deutlich elastischer und bauschfähiger als andere Fasern. Neben Polarguard 3d werden von vielen Herstellern Fasermischungen, bestehend aus (silikonisierten) elastischen Spiral- und Hohlfasern, verwendet. Je nach Produktgruppe werden die Anteile der jeweiligen Faser bestimmt.

Weitere leistungsstarke Füllungen sind MTI, Quallofil oder auch Polar Loft.  Quallofil und andere Füllungen werden grundsätzlich auf einem hauchdünnen Trägermaterial fixiert und mit Außen- und Innengewebe verbunden. Je nach erwünschter Wärmeleistung, in mehreren Lagen. Polarguard wird schindelartig verarbeitet (siehe Zeichnung) und direkt am Außen- und Innenmaterial vernäht.

Außen-/Innenmaterialien:
Bei hochwertigen Schlafsäcken verwendet man in der Regel Nylon- oder Polyestergewebe, da sie leichter und reißfester als Baumwollbezüge sind. Innenmaterialien sind in der Regel angenehm weich sowie stark atmungsaktiv und bieten die ideale Körperumgebung für einen erholsamen Schlaf. Außenmaterialien werden eher aus starkem und trotzdem leichtem Nylon gefertigt. Das schützt sowohl den Schlafsack als auch den Schlafenden. Bei sehr hochwertigen Daunenschlafsäcken kann man auch beschichtete oder wasserdichte Außenmaterialien (Pertex Shield, Gore Dryloft) verwenden, um die Füllung vor Feuchtigkeit zu schützen, falls man auch mal draußen ohne Zelt oder Biwaksack schlafen möchte.

Pflege:
Mit Schlafsäcken ist es wie bei allen Ausrüstungsgegenständen. Je besser man damit umgeht, desto länger hält er auch! Wird ein Schlafsack nicht gebraucht, dann sollte er in einem großzügigen luftdurchlässigen Aufbewahrungssack entweder unterm Bett, im trockenen Keller, auf dem Speicher oder im Schrank auf seinen nächsten Einsatz warten. Gleichgültiges Verscharren eines Daunenschlafsacks in latent feuchtem Zustand unterm Bett führt zwangsläufig zu Problemen. Die Kunstfaser ist in dieser Beziehung zwar nicht ganz so sensibel, aber sollte deswegen nicht schlechter als ihr Daunenpendant behandelt werden. Also: Nach der Tour richtig lüften(trocknen) lassen und dann weg damit.

Waschen kann man beide Typen, wobei die Kunstfaser unter einer Wäsche eher leidet als das sie ihr gut tut. Die Daune hingegen kann und sollte man gelegentlich reinigen(lassen). Als Naturprodukt ist sie regenerierfähig und beschert dem gewissenhaften Besitzer eine vielfach höhere Lebensdauer als jede Kunstfaser. Kleiner Tipp am Rande: Daunenschlafsäcke kann man auch zum Outdoor Service Team schicken, wo Daunen und Hülle zunächst getrennt, dann separat gewaschen und behandelt werden. Anschließend kommen die Daunen wieder in ihre Hülle und der Schlafsack ist wie neu! Auf Wunsch kann man Daunen auch noch auffüllen lassen, um die Isolierleistung zu erhöhen.

Wer die Reinigung rauszögern und seinem Schlafsack etwas Gutes tun möchte, der kann ein Inlet benutzen. Diese dünne Innenhülle gibt es in verschiedenen Materialausführungen und fungiert primär als eine Schicht zwischen unseren Körperabsonderungen und dem Schlafsack. 


Formen:
Man unterscheidet zwischen Decken- und Mumienform: Ein deckenförmiger Schlafsack bietet mehr Bewegungsfreiheit und kann bei vollständig geöffnetem Reisverschluss als Decke genutzt werden. Die Mumie hingegen reduziert das zu erwärmende Luftvolumen. Dieser Vorteil ist einer der Hauptgründe, warum sich die Mumie gegenüber der Deckenform bei den Dreijahreszeiten und Winterschlafsäcken durchsetzen konnte. Weitere Vorteile sind das geringere Packmaß und weniger Gewicht.  

   

 

Kategorie: Knowhow
Mitarbeiter: Jens Brand | Beratungsschwerpunkt:Rucksäcke, Schlafsäcke
Mail: jens@sine-mainz.de | Tel: 06131/226681 oder 82

1 Kommentare zu "Schlafsäcke - was man wissen sollte "

Doro, 23.06.2010, 11:37 Uhr

...mehr muss man nicht wissen. Also raus in den Wald und rein in die Daunen. Zur Zeit wohl besser mit einem etwas dickeren Schlafsack :-)

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