Kategorie: Reisen & Touren

Mit der Familie auf Fossiliensuche

Michael, 10.04.2010

Wir stellen das Auto am oberen Drittel des Selzer Berges auf einem kleinen Parkplatz ab und sind noch nicht richtig ausgestiegen, da ruft der Älteste: „ Mama, Papa, kommt schnell, da liegen Knochen." Wir beschließen, das Kuriosum am Ende der Tour näher zu inspizieren. Nach ein paar Metern stehen wir auf der nicht enden wollenden Brache. Fast der gesamte Süd-West-Hang des Selzer Berges ist von seinen Reben befreit und wartet auf die Neugestaltung im Rahmen der Flurbereinigung.

Letztes Jahr haben wir bei einem solchen Spaziergang in einem neuen Wingert unglaublich viele versteinerte Schnecken und Muscheln gefunden. Wir sind alle gespannt, was uns heute erwartet und hoffen auf reiche Beute. Mittlerweile hängen über unseren Köpfen ziemlich dunkle Wolken - na, ob wir das trocken überstehen? Langsam suchen wir uns einen Weg, querfeldein, talwärts, Richtung Hahnheimer Bruch, den Blick immer auf den Boden gerichtet, damit einem ja kein Schatz entgeht. Im ersten Wingert finden wir nichts. Vielleicht weiter unten? Doch auch hier Fehlanzeige.

Unser Jüngster bleibt immer weiter zurück, damit er ja nichts übersieht, und er findet immerhin eine Reihe von leeren Schneckenhäusern, schön gemusterte Kiesel, Tonscherben und als besonderes Schmankerl ein paar Wirbelknochen, vermutlich von einem Reh. Wir queren etwas enttäuscht die L 432 und gehen weiter in Richtung Selz. An einem Durchgang passieren wir eine Hecke und treten auf die Weide der schottischen Hochland Rinder, die hier gezüchtet werden. Einige Tiere sind hochschwanger und plötzlich heißt es "Ach schau mal, da sind ja ganz kleine." Eines ist sogar noch ganz nass, es hat noch seine Nabelschnur, die Geburt muss gerade erst passiert sein.

Die Kinder machen es sich auf den herumliegenden Strohballen bequem und packen ihre Brotdosen aus. Einige der Kühe lassen uns während unserer Rast keinen Moment aus den Augen und beobachten uns misstrauisch. Nach kurzer Rast setzen wir unseren Weg fort und kommen an einer kleinen Wiese vorbei. Auf der steht ein Schild und darauf steht: Wildgansersatzäsungsfläche. Ich hatte bis dato keine Ahnung dass es sowas gibt, und das es sogar von diversen Ministerien gefördert wird. Im Frühjahr nutzen die Graugänse den Hahnheimer Bruch als Zwischenstation auf ihrer Reise nach Norden. Die umgebenden frisch eingesäten Äcker sind natürlich eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan. Auf der extra vorgesehen Ersatzäsungsfläche befand sich keine einzige Gans, dafür aber auf den Äckern auf der anderen Seite des Bruches umso mehr.

Wir sind alle überrascht wie laut das Geschnatter und Gekrächze der Gänse ist. Immer wieder fliegen Gänse paarweise von dem Futterplatz auf und landen mit stetigem Geschnatter auf den Wasserflächen des Bruches. Aufgeschreckt durch den Lärm fliegt auch ein Greifvogelpärchen auf. "Oh, die beiden sind aber groß", meint mein Altester. Da hat er Recht, die beiden Vögel sind größer als die üblichen Mäusebussarde, vielleicht sind es Schwarzmilane. Ich muss mir endlich mal ein vernünftiges Fernglas besorgen. Wir schlendern den Weg entlang der Selz weiter und kommen an einen einfachen Hochsitz.

Im Nu sind die Kinder oben und genießen den Ausblick auf die Wassserflächen, auf denen die Gänse und Enten schwimmen. Der Jäger hat sich sogar eine Behelfsbrücke über die Selz gebaut, in dem er einfach einen Baumstamm quer über den Fluss gelegt hat. Zum Glück sehen die Kinder davon ab, ihr Können auszuprobieren und uns bleibt ein Rückweg in nassen Klamotten erspart. Der stetige kalte Wind lässt uns bald wieder aufbrechen und wir folgen der Selz flussaufwärts. Wir passieren ein Paar Kopfweiden, das seine noch blattlosen Ruten in den Himmel reckt.

Am Ende des Hahnheimer Bruches fängt der Große an zu streiken, er will nicht berghoch zum Auto laufen, wir sollen ihn hier unten abholen. Nach sehr kurzer Überredung erklimmt er doch mit uns allen den Hügel. Und siehe da, er findet dann doch wirklich noch ein Fossil. In einem Kalkstein sind verschiedene Muscheln und Schnecken versteinert, sein bislang sprichwörtlich „größter“ Fund. Zufrieden kommen wir bei dem Auto an, und begutachten, wie zu Beginn der Tour versprochen, die mysteriösen Knochen. Nach eingehender Begutachtung einigen wir uns darauf dass es wohl ein Fuchs gewesen sein müsste. Zufrieden steigen wir in unser Auto ein und fahren nach Hause.

Kategorie: Reisen & Touren
Mitarbeiter: Michael Kämpfert | Beratungsschwerpunkt:Zelte, Kocher, GPS
Mail: rekla@sine-mainz.de | Tel: 06131/2266-81

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