Ein Reisebericht aus Südwest-Irland (Teil 1)
„Cabin crew prepare for landing“, bellt es scharf aber freundlich und etwas blechern durch die Reihen und schon brechen die letzten Sekunden Spannung an. Blick nach draußen und die saftig grünen Weiden weichen der rotbraunen Heidehölle, Asphalt rechts und links, Totenstille gefolgt von einem harten Aufprall und einigen kleinen Schlingern. Der Gegenschub setzt ein. Geschafft! „Welcome to Kerry Airport,…“ bestätigt die Annahme, dass es endlich wieder so weit ist. Das Terminal in Farranfore hat - optimistisch geschätzt - die Größe eines modernen Mc Donalds und bevor die Maschine still steht, sind bereits die ersten Urlauber dabei ihren ungemütlichen Alltagsstress in die Urlaubswelt zu integrieren.
Die Einreise nach Irland ist unkompliziert, das Gepäck schnell geschnappt, der lange Marsch zur Autovermietung beschert einem bereits die Erkenntnis, dass etwas sehr anders ist. Ja, es ist eine unaufdringliche Brise vom Meer herangeweht, so rein und frisch. Kofferraum auf, Rucksack rein, Klappe zu und einsteigen. Nein, nicht links, sondern rechts. Spätestens jetzt ist klar, dass die Heimat mit ihren Freuden und Tücken irgendwo ganz weit weg ist. Der Verkehr erklärt sich von selbst, einfach links schalten, links fahren.
Noch schnell in Killarney einkaufen gehen und dann führt die Weiterreise durch den herrlichen National Park auf engsten kurvenreichen Strassen, umgeben von Eichen, Mischwäldern, Rhododendrondickichten, Niedermooren, Trogtälern und natürlich Schafen nach Kenmare. Wie der Name schon erahnen lässt, liegt diese kleine Stadt am Meer und führt zur ersehnten Küstenstrasse. Der Ring of Kerry steht mir bevor, es ist circa 15 Uhr, die Fahrt in südwestlicher Richtung bei wechselhaftem Wetter ein Genuss. Zwei Stunden und etliche Fotostops später bin ich am Ziel. Caherdaniel. Ein verschlafenes Straßendörfchen, eingegliedert zwischen den steil abfallenden Bergflanken im Norden und im Süden von einem der unzähligen Traumstrände, welche Irland zu bieten hat.
Die Infrastruktur ist angenehm übersichtlich: zwei Pubs, ein Tante-Emma-Laden, eine Kirche, zwei Telefonzellen und ein Hostel. Das Travellers Rest wirkt schon von außen gemütlich, klein aber schön. Das Wohn/Esszimmer mit Kamin wurde mit Liebe eingerichtet - einfach aber ansprechend. In der Küche fehlt es an nichts, die Zimmer und Sanitärräume sind sauber und draußen ist es still. Herrlich.
Abends geht es in den "Blind Piper", um aufgestaute Sehnsüchte zu befriedigen. „Pint of Guinness please“ veräußere ich mit einem freundlichen Grinsen, grüße die am Tresen sitzenden sowie lehnenden Einheimische zurück, welche sich mit einem schwer zu beschreibenden Blick meiner Anwesenheit widmen: unaufdringlich, kurz, aber bestimmt.
Mit meinem Schatz geht es dann an einen Tisch und ich sehe mit Freude, wie eine anfangs noch cremig-bräunlich erscheinende Flüssigkeit allmählich von unten nach oben beginnt, sich in ein braun-schwarzes Stout zu verwandeln. Die fingerdicke Schaumkrone ist fest und verliert eine Träne, die langsam ihre Bahn das Glas herab auf den darunter liegenden Bierdeckel zieht…(lies weiter in Teil 2)










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