Kategorie: Sport

Bouldern im Paradies

Philipp, 14.10.2010

Die ganze Welt auf einen Click. Jeden Abend ab 20 Uhr gibt es im Internet eine Auswahl an Last-Minute-Luxusreisen rund um den Globus. Und das zu teilweise echt günstigen Preisen. Abflug ist in der Regel am nächsten beziehungsweise übernächsten Tag. Wir hatten die Wahl zwischen Fuerteventura, Rhodos und der Karibik. Wer uns kennt, wird aber ahnen, das wir uns ganz anders entschieden haben. Klar. Denn nichts liegt näher als Fontainebleau. Es bietet alles, was das Herz begehrt: Französisches Baguette, Pain au chocolat und jede Menge Boulder.

Eine knappe Autostunde südöstlich von Paris erstrecken sich in einem Radius von 50 Kilometern die tollsten Spots rund um den fabelhaften Wald von Fontainebleau.  Die Gegend ist eines der weltweit ältesten Bouldergebiete. Ursprünglich trainierte man an den Sandsteinblöcken, um sich für Alpentouren vorzubereiten. Im Jahr 1947 wurde in „Bleau“ der Boulderparcours erfunden. Nach Farben sortiert gibt es in verschiedenen Schwierigkeitsgraden durchnummerierte Touren, die der Reihe nach geklettert werden können.

Die Menge und Vielfalt der einzelnen Gebiete lässt mich immer wieder aufs Neue staunen. Selbst nach über acht Jahren und bestimmt 15 Urlauben muss ich erneut feststellen, dass ich noch lange nicht alles gesehen habe. Und das ist auch gut so.

Bouldern in Fontainebleau ist einzigartig und sehr speziell. Kennzeichnend für „Font“ sind die runden Ausstiege, die immer wieder unterschätzt werden. Man denkt, man hat das Schlimmste überstanden. Schließlich hat man die kleinen Leisten, Löcher und fiese Sloper im Dach oder Überhang festgehalten und muss jetzt nur noch oben über die Kante raus, ist ja nicht mehr steil…

Dann die Ernüchterung: „Do isch nix!“  Der Körper ist komplett ausgestreckt und um den bauchartigen Fels nach vorne geneigt, die Sloper in den Händen lassen sich eigentlich gar nicht als Griffe identifizieren und die Füße stehen auf Tritten, die sich nur bestimmen lassen, da vorher jemand Chalk drauf gemacht hat. Es fühlt sich alles einfach nur rund an.

Die Kunst besteht jetzt darin, die Füße in dieser Position noch höher zu stellen und mit den Händen immer weiter nach oben zu patschen, nur um festzustellen, dass da noch weniger ist. An dieser Stelle wird auch gerne die Mit-Bauch-Hochrobb-Technik angewendet. Entweder ist man plötzlich oben, dies ist definitiv die bessere Variante, oder man findet sich plötzlich völlig erschöpft und außer Atem, mit Abschürfungen an Beinen und Bauch auf seiner Bouldermatte wieder und kontrolliert instinktiv, ob noch genügend Haut auf den Finger ist, oder ob man für den nächsten Versuch die blutigen Finger tapen muss.

Die Parcours gibt es seit Jahren und haben bei den Locals Ihre Tradition. Da kann’s durchaus passieren, dass man, mit drei Crashpads bewaffnet, zwei Stunden lang vor der roten Nummer 1 steht, wartet und Folgendes beobachtet. Eine fb 6a Platte, die einem schlicht unmöglich erscheint, wird von einem 76-jährigen Franzosen, mit Teppich und Handtuch ausgestattet, komplett abgespult, während Frau, Sohn, Enkel und Urenkel mit dem Picknickkorb auf der Decke sitzen und zuschauen. Verrücktes Fontainebleau.

Ich liebe es und werde bestimmt nicht das letzte Mal dort gewesen sein! Tip: Wir führen ab sofort das neue Topo „Bleau en bloc“ von Panico. Bislang bin ich immer mit drei Führern am Start und ärgere mich jedes Mal aufs Neue, dass man tatsächlich alle drei braucht und trotzdem noch nicht alles findet. Ich hoffe sehr, dass mich der Panico Führer erlösen wird. Mehr dazu gibt’s nach meinem nächsten Trip.

Kategorie: Sport
Mitarbeiter: Philipp Ohler | Beratungsschwerpunkt:Geschäftsführung/Allrounder
Mail: philipp@sine-mainz.de | Tel: 06131 / 2266-82

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